Die Calçotada, Zwiebelgrillen als soziales Happening

(Foto: Wikipedia)

 

(kys) – Barcelona. Die Calçotada ist ein gemeinschaftliches Essen, das in Katalonien Tradition hat. Schon vor mehr als einhundert Jahren kamen in den kalten Wintermonaten die Bauern aus der Gegend des „Alt Camp“ (Hochland) ums Feuer zusammen und grillten in gemütlicher Runde zarte Lauchzwiebeln – oftmals über einem alten eisernen Bettgestell oder was der Haushalt eben so hergab.

Wie so oft im Leben war es der Zufall, dass ein Bauer aus dem Ort Valls, ein Städtchen, das auch wegen seiner Tradition der Menschentürme bekannt ist, diese schmackhafte längliche Zwiebelart züchtete: Man pflanzt junge Zwiebeln ein und während sie aus der Erde wachsen, wird der Schaft immer wieder mit Erde zugedeckt, damit er weiß bleibt, bis er eine Länge von ungefähr fünf Zentimetern erreicht. Schon Ende des 19. Jahrhunderts aßen in Valls Groß und Klein jedes Jahr die zarten süßen Zwiebeln vom Feuer. Auch heute noch kommen die besten Calçots aus dem Ort Valls.

 

Die Calçotada – das Zwiebelgrillfest

Die sogenannte Calçotada, abgeleitet vom Namen der Zwiebeln, Calçots, findet in den Monaten Januar bis März statt. Die Calçots werden direkt über dem Feuer gegrillt bis sie von außen schwarz sind. Ganz traditionell werden sie auf umgekehrt liegenden Dachziegeln serviert, um die Wärme zu halten. Zum Verzehr werden die Calçots an den verbliebenen inneren Blättern festgehalten. Mit der anderen Hand wird die schwarzgebrannte Haut der Zwiebel abgestreift. Der weiße und zarte Teil der Frühlingszwiebel wird anschließend in eine würzige Sauce, wie die  Salvitxada, die aus scharfen Paprikaschoten, gerösteten Mandeln, Tomate, Knoblauch und Petersilie besteht, oder in eine Romesco-Soße getaucht und aus der ausgestreckten Hand genossen. Da man den schwarzen und teilweise noch sandigen Teil der Zwiebel mit der Hand abstreift, die saftige lange Zwiebel in die Soße tunkt und dann – mehr oder weniger zielsicher von oben in den Mund gleiten lässt – gehören Lätze zur Grundausrüstung, auch für die Erwachsenen.

Die aromatischen Soßen leiten dann auch perfekt zum Hauptgang über, der meist aus gegrilltem Fleisch und katalanischen Bratwürsten, den Butifarras, besteht. Dazu wird Wein oder katalanischer Sekt, der Cava, gereicht.

 

Calçots richtig gegrillt

Das Zwiebelgrillen kann man tatsächlich mit jeglicher Art von Zwiebeln machen, aber die Kenner empfehlen die traditionellen Calçots aus Valls, denn nur diese haben den unverkennbaren süßen Geschmack und seien besonders saftig.

Man grillt die Zwiebeln über Rebholz (auch im Laden erhältlich), das mit etwas Zeitungspapier leicht zündet. Die Zwiebeln werden auf dem Grill nebeneinander aufgereiht und direkt über einer niedrigen Flamme gegrillt, nicht auf glühender Kohle oder Holz. Wenn eine Seite der Zwiebeln schwarz geröstet ist und sie anfangen “zu schwitzen”, dreht man den Grill um, so dass die andere Seite der Zwiebeln auch schön schwarz wird. Auf keinen Fall darf man die Zwiebel beschneiden, sonst verliert sie ihre Flüssigkeit.

Wenn die Zwiebeln von außen rundum schwarz gegrillt sind, trennt man sie am besten in Portionen von ca. 10 Zwiebeln ab und wickelt diese in Zeitungspapier. Legt man sie anschließend in eine Pappkiste, halten sie die Wärme gut.

 

(Foto: Zwiebelwettessen in Valls)

 

Die Calçotada Wettbewerbe: ein besonderer Höhepunkt

Die Wettbewerbe rund um das Zwiebelgrillen stellen einen besonderen Höhepunkt in den Dörfern und Kleinstädten im katalanischen Alt Camp dar. Die festa del calçot de Valls, das jährliche Zwiebelvolksfest, sollte bei Interessierten auf dem Ausflugskalender stehen. Es findet stets am letzten Januarwochenende statt. Dabei werden drei verschiedene Wettbewerbe rund um die Calçots ausgetragen: der Wettbewerb um den besten Zwiebelgriller, den besten Soßenmacher und den besten Zwiebelesser. Es hat Gewinner gegeben, die 3,5 Kilo Zwiebeln in 45 Minuten geschafft haben. Auch die Nachwuchsgeneration isst fleißig Calçots: Letztes Jahr verspeisten 250 Nachwuchszwiebelesser 3.500 Zwiebeln, die Rekordzeit lag bei 10 Minuten für 20 Zwiebeln.

Möchte man eine authentische Calçotada erleben, sollte man nicht in gewöhnliche Restaurants gehen, sondern einen Tisch auf einer Masia (einem Bauernhof) für eine Calçotada buchen oder zu einem der Zwiebelgrillfeste auf das Land fahren. Für ein gelungenes authentisches Zwiebelgrillen gibt es hier Tipps und Zutaten sowie einen Veranstaltungskalender: www.calsots.com