Jordi Cuixart: Seit 2 Monaten zu Unrecht in Untersuchungshaft

(Hans B.) – Manresa. Während in diesen Tagen die Karten für die politische Zukunft Kataloniens neu gemischt werden, zeigte vor einigen Tagen der katalanische Fernsehsender TV3 in den Mittagsnachrichten einen kurzer Bericht darüber, wie die acht inhaftierten katalanischen Minister und die Vorsitzenden zweier Bürgerinitiativen in Polizeifahrzeugen vom Gefängnis zur Anhörung in ein Madrider Gericht gebracht worden waren. Ganz am Ende des Berichts kam es zu einer herzergreifenden Szene.

Die Kamera schwenkte dabei von den vorbeifahrenden Kastenwagen mit den abgedunkelten Scheiben auf eine Gruppe von Freunden und Familienangehörigen, die sich in der eisigen Kälte vor dem Gericht zusammengefunden hatten, um den Inhaftierten ihre Solidarität zu bekunden. Dabei kam für den Bruchteil einer Sekunde eine junge Frau mit einem Baby im Tragetuch ins Bild, beide eingemummt in dicke Winterkleidung. Die Frau war Txell Bonet, die Lebensgefährtin von Jordi Cuixart, dem Präsidenten der Bürgerinitiative Òmnium Cultural.

Txell Bonet: “Wir sprechen nicht viel über unsere Zukunft

Wie aus Interviews mit Txell Bonet hervorgeht, muss sie um 4.30 Uhr aufstehen, um mit dem sieben Monate alten Amat in Barcelona um sechs Uhr früh den TGV nach Madrid zu nehmen. Dort erwartet sie am Bahnhof Atocha ein Freund und bringt sie mit dem Auto in einer etwa einstündigen Fahrt zum Gefängnis Soto del Real. Dort hat sie jeden Samstag 40 Minuten Kontakt mit ihrem Mann, getrennt durch eine dicke Glasscheibe und eine Lautsprecheranlage. Wenn alles klappt, sind Mutter und Kind um sechs Uhr abends wieder zuhause in Barcelona. Also 12 Stunden Fahrt für 40 Minuten Minimalkontakt. Zweimal  pro Monat ist ein drei-stündiges Treffen ohne Glasscheibe erlaubt, dazu täglich ein fünfminütiges Telefongespräch. In einem Interview mit der Washington Post sagt Txell Bonet: “Wir sprechen nicht viel über die Zukunft, aber wir sind immer auf das Schlimmste gefasst. Wir machen uns keine großen Hoffnungen.”

Jordi Cuixart drohen 30 Jahre Gefängnis

Jordi Cuixart und Jordi Sánchez, der Präsident der Bürgerinitiative Katalanische Nationalversammlung, befinden sich seit genau 49 Tagen in Untersuchungshaft. Gegen die beiden Aktivisten läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Anstiftung zum Aufruhr und Rebellion, worauf insgesamt bis zu 30 Jahre Haft stehen.

Strafrechtsexperten halten  Anklagepunkte und  U-Haft für gesetzeswidrig

Inzwischen haben aber mehr als 100 Universitätsprofessoren für Strafrecht und mehr als 1000  Juristen aus ganz Spanien deren  Inhaftierung  als völlig überzogene Maßnahme denunziert. Sie weisen darauf hin, dass von diesen Straftaten keine Rede sein kann, weil bei keiner der Kundgebungen, zu denen die beiden gemeinsam aufgerufen hatten, Gewaltanwendung im Spiel war. Vielmehr hätten sie einzig und allein von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch gemacht.