Katalanen sechs Mal “solidarischer” als die Bayern

(Hans B.) – Manresa. Am 6. Dezember wartet hier kein Kind auf den Nikolaus. Er ist hier nämlich ganz und gar unbekannt. Obwohl Katalonien katholisch geprägt ist, spielt er hier interessanter Weise weder im religiösen noch im weltlichen Jahresablauf eine Rolle. Dabei hätte dieser Heilige, der ja zumindest der Legende nach sein Vermögen unter den Armen verteilte, absolut das Zeug zur katalanischen Symbolgestalt.

Bestürzende  Zahlen zum katalanischen Fiskaldefizit

Vor wenigen Tagen legte das katalanische Finanzministerium, das seit der Absetzung der  Regierung Puigdemont direkt vom spanischen Finanzministerium aus gesteuert wird,  die jüngsten Daten zum Fiskaldefizit vor. Laut dieser Zahlen haben die katalanischen Steuerzahler im Jahre 2014 16,57 Mrd. € mehr in den spanischen Steuertopf eingezahlt als im selben Jahr wieder nach Katalonien zurückgeflossen sind. Das entspricht einem Defizit von 2.204 € pro Kopf oder, anders gerechnet, rund 46 Mio. € pro Tag.

Im selben Jahr betrug das Fiskaldefizit Bayerns, dem Geberland Nr. 1 in Deutschland, im selben Jahr 4,9 Mrd. € Umgerechnet auf die damalige Bevölkerung sind das 386 € pro Kopf. Oder anders ausgedrückt: Die Katalanen sind, statistisch gesehen, 5,7 Mal solidarischer als die Bayern.

Das Märchen von den „unsolidarischen Katalanen“

Besonders in der deutschsprachigen Presse ist häufig zu lesen, die Separatisten wollten weg von Spanien, weil sie unsolidarisch wären mit den ärmeren Regionen Spaniens. Dazu ist es interessant zu wissen, dass die Bundesländer Hessen und Bayern im Jahre 2013 beim Verfassungsgericht Klage gegen den Länderfinanzausgleich eingereicht hatten, weil sie das System für ungerecht und leistungsfeindlich halten. Aber die Katalanen sollen klein beigeben, auch wenn im eigenen Land kein Geld da ist für Schulen, Krankenhäuser und Nahverkehrszüge. Und als Draufgabe müssen sie sich in der spanischen Presse (bestenfalls) als arme Irregeleitete und (schlimmstenfalls) als Terroristen bezeichnen lassen.

 „Freie“ Wahlen in 15 Tagen: ein Spitzenkandidat im Exil, ein anderer im Gefängnis

Heute ist in ganz Spanien Feiertag, der Tag der spanischen Verfassung. Jene Verfassung, auf die sich das Dreigestirn Mariano Rajoy (PP), Pedro Sánchez (PSOE) und Albert Rivera (Ciutadanos), die sich sonst spinnefeind sind, berufen haben, um mit der Inkraftsetzung des Artikels 155 Katalonien von der Pest des Separatismus zu erlösen. Zu diesem Zweck soll die von ihnen sogenannte „schweigende Mehrheit“ dem Separatismus am 21. Dezember in freien Wahlen eine klare Absage erteilen. Aber dieses Wunschbild hat arge Schönheitsfehler, denn bei diesen „freien“ Wahlen führt z.B. der eine Spitzenkandidat, Präsident Carles Puigdemont (Liste Gemeinsam für Katalonien) seinen Wahlkampf vom Brüsseler Exil aus, der andere, Oriol Junqueras (Katalanische Linksrepublikaner), vom Madrider Gefängnis aus. Und Europa spendet dem demokratischen Trauerspiel wie gewohnt Beifall.