Kataloniens Weihnachtsküche – Ein Erfahrungsbericht

(trz) – Barcelona. Die katalanische Küche gehört zu einer der modernsten und innovativsten der Welt, aber wenn es um das Weihnachtsessen geht, dann bleibt es bei den meisten Familien traditionell. Wer Kinder hat, für den geht es bei vielen Familien bereits am 24.12. los mit dem Abendessen, einem sogenannten pica-pica, bei dem viele verschiedene, kleinere Teller gleichzeitig serviert werden. Die Gäste picken von allem etwas durcheinander. Schinken (Jamón) darf ebenso wenig fehlen wie gefüllte Eier, Meeresfrüchte, gegrillte Garnelen, Herzmuscheln, Oliven, Käse, Fuet (Knackwurst aus Vic) und natürlich Pa amb Tomàquet:  getoastete Brotscheiben, die mit Knoblauch und Tomate eingerieben und dann mit gutem Olivenöl beträufelt werden.
Der „caga tió“
Im Mittelpunkt des Abendessens steht ein kleiner Baumstamm mit roter Zipfelmütze und freundlichem Gesicht, von dem ursprünglich das Abendessen am Weihnachtsabend stammte. Nach dem vorchristlichen Brauch holte man diesen Baumstamm zu Beginn der Adventszeit aus dem Wald und fütterte ihn jeden Abend bis zum Weihnachtsfest. Der deutsche Baumkuchen stammt übrigens von diesem Brauch, der auch in Deutschland existierte.
Die Kinder singen und schlagen am Weihnachtsabend mit einem Stock auf ihn, damit er die Geschenke „kackt“. Entschuldigung, aber das ist wörtlich sein Name, der „kackende Onkel“, el Caga Tió.
Sopa de Galets
Das Mittagessen am Weihnachtstag variiert von Familie zu Familie, aber bei den meisten katalanischen Familien darf am 1. Weihnachtsfeiertag eins nicht fehlen: Sopa de Galets i Carn d`Olla.
Fangen wir mit der Sopa, der Suppe, an, die eigentlich eine deftige Brühe ist. Wenn Sie Fleisch nicht so mögen, fragen Sie lieber nicht, was drin ist. Wenn doch, dann lesen Sie weiter. Meine Schwiegermutter kocht dafür ein ganzes Huhn – ohne Kopf aber mit den Füßen (!!!), Bratwurst, Blutwurst, Schweine- und Rindfleisch und extra Fleischbällchen (den pilotes) über 3 Stunden, und separat das Gemüse wie Kichererbsen, Möhren, Kräuter, Lauch und Kartoffeln. Erst zum Schluss vermischt sie das gekochte Gemüse mit dem Fleischsud. Die Sopa de Gallets ist die gefilterte Brühe mit übergroßen Muschelnudeln, den Galets.
Zu Weihnachten werden diese Nudeln als Kerzen oder Figuren verkauft und bildeten bis vor wenigen Jahren noch die Weihnachtsdekoration der berühmten Rambla de Catalunya in Barcelona in Körpergröße.
Die Hauptgänge
Als zweiten Gang gibt es dann all das, was die Brühe so schön deftig gemacht hat, das Fleisch und das Gemüse. Dann wird meist um die besten Fleischstücke „gestritten“.
Als dritten Gang wird bei meiner Schwiegermutter Geflügel serviert, meist mit Trockenpflaumen, karamellisierten kleinen Zwiebeln und Pinienkernen. Zum Niederknien lecker.
Zum Nachtisch wird eine ganze Ananas in Scheiben geschnitten mit einem Schluck Cointreau serviert. Damit fängt der Nachtisch aber erst an: Es gibt Nüsse, Trockenobst wie Feigen, Rosinen und Datteln, und spanisches Weihnachtsgebäck, die sogenannten Polverons und Turrons. Polverons sind ein Fettgebäck aus Mandeln mit verschiedenen Geschmacksrichtungen, die beim Hineinbeißen fast wie Staub zerfallen. Die Turrons sind meist aus Mandeln, Eiern und Schokolade gefertigte Tafeln in verschiedener Konsistenz. Eine weitere katalanische Spezialität sind die Neules, feine Waffelröllchen, die man am Ende des Essens in den bereitgestellten Cava, den katalanischen Sekt, taucht.
Das Abendessen fällt dann meistens flach, denn man isst von ca. 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Viele Familien beschenken sich am ersten Weihnachtsfeiertag mit einer Art Wichteln und man spielt Tischspiele.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag
Am zweiten Weihnachstfeiertag lassen viele das Frühstück aus, denn das Essen wird nicht weniger. Ein typischer Hauptgang am 26.12. sind die Canelons, mit den Fleischresten vom Vortag gefüllte Nudelröllchen mit Bechamelsoße. Natürlich gibt es auch wieder Vor- und Nachspeise. Die meisten Familien bevorzugen am 26.12. nicht selber zu kochen, sondern nutzen die Menüangebote der Restaurants, die sehr üppig sind: Meeresfrüchte, Lamm, Fisch und Canelons und mit Wein über Sekt und Kaffee alles inbegriffen.
Es empfiehlt sich, rechtzeitig zu reservieren. In Barcelona sollte man pro Person mindestens 30 Euro einkalkulieren. Es ist ein sehr empfehlenswertes Erlebnis, wenn man die lokale Kultur kennenlernen will. Die Restaurants sind randvoll mit Familien, bei denen alle Generationen zusammen essen und den Feiertag in Katalonien genießen, denn im Rest Spaniens arbeitet man am 26.12., dem Stephanustag.
Nun bleiben nur vier Tage, damit sich der Magen erholen kann, bevor das Silvester-Abendessen ansteht. Es gibt kein typisches Silvesteressen, aber einen schönen Brauch, der in ganz Spanien zelebriert wird. Mit dem jedem Glockenschlag um Mitternacht isst man eine Weintraube: 12 Weintrauben,  12 Wünsche.
In diesem Sinne wünschen wir zauberhafte Festtage und ein glückliches neues Jahr.