Die PATUM – das katalanische Volksfest in Berga (UNESCO Welterbe)

(trz) – Berga.Die Patum ist nicht für jeden, und da haben berguedans, wie sich die Einwohner Bergas nennen vollkommen Recht. Zwar gibt es das ganze Wochenende an Frohnleichnam Veranstaltungen für Erwachsene und für Kinder. Aber wer den wahren Geist der Patum erleben will, der muss Donnerstagabend dabei sein. Mittelpunkt des Festes ist der Marktplatz Sant Pere, umringt von pintoresken Häusern. Die Platzangst sollte man zu Hause lassen.
Aus den kleinen Gassen strömen die Menschen auf den Platz. Enorme Scheinwerfer erhellen den Platz über Tageslichtmaß. Das Orchester und die Trommel (el tabal), die von einer Art Kapellmeister von einer kleinen Terasse aus gespielt wird, kündigen die verschiedenen prächtig geschmückte Figuren an, die nach einer seit Jahrhunderten feststehenden Zeremonie auf den Platz in die Menge getragen werden.
Erst kommen die turcs i cavallets, verkleidete Türken mit Pferd. Dann schreiten die geheimnisvoll anmutenden masses auf den Platz, Gestalten mit der für die Patum typischen Teufelsmaske, rot und grün, wie ihre Gewänder, und mit einer Stabtrommel, aus deren Spitze weißer Rauch aufsteigt.
Zu den wohl beliebtesten Figuren gehören der guita, ein feuerspuckender Drache und der àliga, eine bronzene Adlerfigur mit goldener Krone und Blumen im Schnabel. Aus der Gasse kommen die gegants auf den Platz, riesige überdimensionale Puppenpaare. Sie werden von dem vor der Kirche auf einem Podest sitzendem Orchester und der  Trommel begleitet. Die Masse hüpft und tanzt um sie herum. Danach erscheinen die nans nous, Männer und Frauen mit bunten Gewändern und  überdimensionalen Pappmachéköpfen, die unter Jubel durch die Menge tanzen.
Ein Kommen und Gehen der historischen Figuren in einem traditionellen einzigartigem Straßentheater.
Um Mitternacht geht plötzlich das Licht aus. Es ertönt ein freudiges Aaah der Menschenmenge. Und da erscheinen sie, die plens, geheimnisvolle Gestalten in Waldreben gehüllt. Es entzünden sich die Enden ihrer Hörner und Funken sprühen. Sie stellen die Teufel dar. Es sind an die 50 plens, die in der Menge tanzen. Spätestens jetzt wird dem Besucher bewusst, warum die Menschen Mützen und alte löchrige Kleidung tragen. Die Masse hüpft und tanzt um die plens herum und das Orchester spielt: tatataaa, tatataaa, tatatatatata. Der ganze Platz hüpft im Takt der Musik in den Funken, die die Teufelsgestalten versprühen. Die Luft füllt sich mit Rauch. Die plens drehen sich um sich selbst und werden von einem Helfer geführt, der von oben bis unten vermummt ist.
Ganz Mutige springen nah an die plens heran, um in den Nebel aus Funken und Feuer, die wie Raketen aus den Hörnern und Drachenschwänzen heraus sprühen, einzutauchen. Der ganze Platz verwandelt sich in eine uniforme springende und singende Menschenmasse mit bunten Feuerpunkten drin.
Und plötzlich knallts. Bam. Bamm, bamm, bamm. Man hört das Lachen und Kreischen der Menge auf jeden explodierenden Böller, die am Ende jeder der neun Funkenraketen der plens angebracht ist. Der Rhythmus wird langsamer und kündigt das Ende des vierminütigen Spektakels an. Mit einem lautem Jubel geht die Musik aus und das Scheinwerferlicht wieder an. Lebensfreude pur.

Informationen zur PATUM: