Geschichte Kataloniens (II) Anarchismus und Spanischer Bürgerkrieg

Der Spanische Bürgerkrieg von 1936 – 1939

Die Ursachen des spanischen Bürgerkrieges lagen in den starken Gegensätzen der sozialpolitischen und kulturellen Auffassungen in der spanischen und katalanischen Gesellschaft und den Autonomiebestrebungen der Basken und Katalanen, die sich von der spanischen Zentralregierung zu emanzipieren versuchten. Spanien hatte mit extremen Strukturproblemen zu kämpfen. Landwirtschaft und Industrie forderten gesellschaftliche Umbrüche. Die Entwicklung der Städte wie Madrid und Barcelona stand im klaren Missverhältnis zu den noch teils feudalen Strukturen in den ländlichen Gegenden. Sozial und kulturell standen sich einerseits römisch-katholische, nationalistische und andererseits bürgerlich-liberale und republikanisch revolutionär geprägte Gruppierungen gegenüber. Verschärft wurde dieser Konflikt durch die wirtschaftliche Krise Spaniens und den in Europa aufkommenden Faschismus.

 

Was geschah im Vorfeld?
1882 – Grundsätze von Manresa (Bases de Manresa)

Katalonien wurde in wirtschaftlicher Hinsicht die Fabrik Spaniens genannt. Während der Rest Spaniens mit den Kolonien in Übersee zu kämpfen hatte, erstarkte in Katalonien die Industrie und insbesondere der Textilsektor. In dieser Zeit entstand die Bewegung des Katalanismus, eine politisch nationalistische Bewegung, deren Begründung eigentlich aus dem Unmut über die Stagnation der wirtschaftlichen Situation in Spanien herrührte. Mit den Bases de Manresa (Grundsätzen von Manresa) wurde die Wiedereinsetzung der katalanischen Verfassung gefordert, die Katalonien seit dem Mittelalter, von 1283 bis 1714, ein hohes Maß an Selbstbestimmung gesichert hatte. Die Bewegung hatte die vollständige politische Unabhängigkeit Kataloniens zum Ziel und forderte ebenfalls die Anerkennung der katalanischen Sprache.

 

Anarchistische Bewegungen

Die Anhängerzahl der Anarchie und des freiheitlichen Kommunismus war in keinem europäischen Land so hoch wie in Spanien.

1872 spalteten sie sich in die Anhänger von Karl Marx einerseits und Mijaíl Bakunin auf der anderen Seite. Des Weiteren erfolgte eine Spaltung unter den Anarchisten. Die Anhänger der “bewussten Arbeiter” (obreros conscientes) waren intellektuelle und moralistische Anführer und oftmals in den damaligen Publikationsmedien wie Buchdruck und Zeitungswesen tätig. Der aus Toledo stammende Anselm Lorenzo war einer ihrer populärsten Anführer.

Die “Männer der direkten Aktion” (hombres de la acción directa) hingegen machten mit Aktionen wie Streiks, Boykott und Kampagnen zur Freilassung politischer Häftlinge aufmerksam und schreckten auch vor politischen Morden nicht zurück, um die bestehenden Machthaber auszuschalten und damit eine Veränderung der politischen Situation herbeizuführen. Zusätzliche Motive für die Rechtfertigung dieser Taten bildeten Rache für die Unterdrückung der Arbeiterprotestes und dadurch erlittenes Leid und den Tod vieler Anhänger.

Der katalanische Anarchist Mateo Morral warf 1906 in Madird von einem Balkon aus eine Bombe auf die Hochzeitskutsche König Alfons‘ XIII., wobei viele Menschen getötet wurden. Das Königspaar blieb jedoch unverletzt. Repressionen, Massenverhaftungen und Folter durch den Staat waren wie in vielen Fällen die Folge. Mithilfe der Polizei setzte der Staat das bereits 1896 verabschiedete Gesetz zur Verfolgung des Anarchismus durch. Daraufhin wurden zahlreiche Anarchisten zum Tod verurteilt und hingerichtet. Dies geschah ungeachtet zahlreicher Proteste europäischer Liberaler, die die nicht immer eindeutige Beweislage für diese Strafen kritisierten.

Einer der bedeutensten Volksaufstände fand 1873 in der Papierfabrik Alcoys statt, den Anarchisten und Arbeiter für die Durchsetzung eines acht-Stunden-Tages anführten. Sie setzten die Fabrik in Brand und spießten die Köpfe ermorderter Polizisten auf Stangen, um sie durch den Ort zu tragen.

Eine weitere besonders gewalttätige Auseinandersetzung bildete die “tragische Woche” in Barcelona, deren Proteste Mitte 1909 durch die geplante Einschiffung von Soldaten für den Marokko-Krieg ausgelöst wurde. Anarchisten setzten Kirchen und Klöster in Brand, worauf der Staat das Kriegsrecht ausrief und das Militär zur Niederschlagung der Proteste einsetzte. 100 Menschen starben, 300 wurden verletzt und 500 inhaftiert. Besonders stark vertreten waren die Anarchisten in Katalonien durch die zugewanderten Fabrikarbeiter und andalusischen Tagelöhner. Aus diesen Bewegungen bildete sich die CNT, der Nationale Arbeitergewerkschaftsbund, und die Allgemeine Arbeiterunion UGT. 

1931 wurde Katalonien eine provisorische Autonomie gewährt, die im Autonomiestatut von 1932 festgeschrieben wurde. Diese Autonomie wurde jedoch von 1934-1936 aufgehoben und 1939 mit Francos Sieg im Spanischen Bürgerkrieg endgültig beseitigt.  

  

Spaniens Bürgerkrieg im Überblick 

1936 – Francisco Francos Erhebung zum „Generalissimo“ und Chef der nationalspanischen Regierung mit diplomatischer Anerkennung durch Deutschland und Italien

1937 – Zerstörung der baskischen Stadt Guernica durch die deutsche Fliegerstaffel „Legion Condor“

1938 – Erste Regierung Francos und Bildung der Zentralverwaltung

1939 – Ende des Bürgerkrieges

 

Anarchisten im Bürgerkrieg

Der spanische General Francisco Franco hatte 1936 mit Hilfe faschistischer Militärkräfte durch einen Staatsstreich gegen die demokratische gewählte Regierung den Spanischen Bürgerkrieg ausgelöst. In dem drei Jahre andauernden Krieg standen sich auf republikanischer Seite Anarchisten, Kommunisten und Sozialdemokraten dem Militär Francos gegenüber. 

Barcelona wurde durch die Anarchisten und Gewerkschaften CNT und FAI gegen Francos Militäraufstand verteidigt. 1936 kam es zum Verrat an der anarchistischen Lehre als Anarchisten der sozialistischen Partei PSOE unter Führung von Francisco Largo Caballero beitraten. Dies schwächte die republikanische Seite, denn Anarchisten und Kommunisten bzw. Sozialisten bekämpften sich nun gegenseitig. Der Konflikt bestand darin, dass die Anarchisten die sofortige Revolution zum Ziel hatten, während die Sozialisten, Kommunisten und liberalen Republikaner zuerst die Beendigung des Krieges und danach die revolutionäre Wandlung herbeiführen wollten.

George Orwell kämpfte als Antifaschist im spanischen Bürgerkrieg und beschreibt die Zustände in seinem lesenswerten Werk: „Mein Katalonien“ (original: »Hommage to Catalonia«)

Anfang 1939 brach die Republik zusammen und die nationalspanischen Truppen zogen unter der Führung des Generals Francisco Franco in Madrid ein.

 

Kataloniens Widerstandsbewegung unter der Franco-Diktatur

Unter dem Franco-Regime wurden viele spanische Anarchisten aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu Gewerkschaften und später vor allem wegen subversiver Aktivitäten und angeblicher Umsturzversuche hingerichtet. Diese Umsturzversuche traute man sogar einzelnen Anarchisten zu, die man mit Würgeschrauben (sog. garrote vil) für Taten hinrichtete, die sie gar nicht begangen hatten.

 

Verfolgung der Katalanen

Francos Feindbild waren zunächst die Demokraten und Sozialisten und dann die Katalanen. Die rigorose Unterdrückungspolitik führt dazu, dass eine halbe Million von Katalanen und republikanischen Demokraten mit der katalanischen Regierung 1939 ins Exil gehen mussten.

Der katalanische Präsident Lluís Companys wurde jedoch in Frankreich von der Gestapo aufgegriffen und an Franco ausgeliefert. Franco ließ Companys am 15.10.1940 auf dem Montjuïc in Barcelona erschießen.

Seine antikatalanische Kampagne musste Franco jedoch bald einstellen, denn Spanien sollte 1955 in die UNO aufgenommen werden. Auch tat sich Franco mit der wirtschaftlichen Knebelung Kataloniens keinen Gefallen, denn diese wirkte sich negativ auf die gesamtspanische Wirtschaft aus. Statt den wirtschaftlichen Aufschwung Kataloniens weiterhin zu verhindern, schöpft Franco den in Katalonien erwirtschafteten Reichtum für die Stärkung seines Systems  ab.

Die Politik Francos war eine Verbindung von traditionell konservativen Vorstellungen mit faschistischen Prinzipien, welche vor allem von der Falange Española Traditionalista und der J.O.N.S. vertreten wurde.

Diese Vereinigungen wurden von den monarchistischen Rechten finanziell unterstützt. Hintergrund war, dass die konservativ-monarchistischen Unternehmer ein Interesse daran hatten, sich durch den Aufbau einer militärischen und schlagkräftigen Straßenmiliz den aufständigen Gewerkschaften entgegenzustellen.

Diese Bewegungen wurden jedoch von Franco mit konservativen Parteigruppierungen in eine neue Einheitspartei eingeordnet. Arbeitnehmer und Unternehmen wurden in Zwangsgewerkschaften zusammengeschlossen. Der franquistische Zentralismus verfolgte alle regionalen Bestrebungen nach Unabhängigkeit. So wurde die von der Republik in Aussicht gestellte Autonomie für Katalonien und auch das Baskenland und Galizien wieder zurück genommen. Die katalanische Sprache wurde wie jede andere nichtkastilische Sprache und Folklore verboten. Widerstand jeder Art wurde durch die paramilitärische Polizei Guardia Civil oder durch die Armee unterdrückt.

Francos Regime blieb bis zu seinem Tod extrem brutal und repressiv. Die katalanische Sprache und Kultur wurde ins Private zurückgedrängt. Die katalanische Generalitat bestand während der Diktatur Francos im Exil weiter fort.

Erst Anfang der 1970er-Jahre erstarkten die Bestrebungen der Katalanen und sie erkämpften sich die Anerkennung und insbesondere kulturelle und sprachliche Freiräume. Es kommt im Untergrund zur Gründung der Assamblea de Catalunya, die trotz Verfolgung durch die Polizei für einen Großteil demokratischer und katalanischer Politiker als essentielle Basis für den Aufbau zukünftiger politischer Strukturen diente.

Nach Francos Tod im Jahr 1975 wurde Katalonien erst 1977 eine vorläufige Autonomie gewährt. 1976 wurde erstmals wieder eine vollständig auf Katalanisch verfasste Tageszeitung (Avui) veröffentlicht. Im Juni 1977 kommt es zum ersten Mal nach 40 Jahren wieder zu freien Wahlen im spanischen Staat, bei denen die katalanischen Parteien, die sich für eine Autonomie Kataloniens einsetzten, eine große Mehrheit erringen. Am 11. September 1977 versammeln sich 1,5 Millionen Katalanen zu einer der bislang größten Demonstrationen Spaniens. Der aus dem Exil zurückgekehrte 125. Präsident der Generalitat, Josep Taradellas, traf einen Monat später von den Massen gefeiert im Palau de la Generalitat in Barcelona ein.