Rosen, Bücher, Protest, aber vor allem – ganz viel Liebe

Katalonien zelebriert Sant Jordi (Foto: TimeOut)

(trz) – Barcelona. Schon am Morgen tummeln sich Hunderte von ambulanten Verkäufern an den Ecken der Straßen von Barcelona, bauen ihre Stände auf, um den ganzen Tag Rosen und Bücher zu verkaufen.

Einheimische spazieren zwischen den Ständen, und Touristen staunen nicht schlecht über die blumige und festliche Stimmung, die in der Luft liegt. Der 23. April ist ein spezieller Tag in Katalonien.

Seinen Ursprung verdankt er dem heiligen Georg, der nach der Überlieferung im 12. Jahrhundert das Königreich Kapadozien (heutiges zentrales Anatolien) von einem Drachen befreite. Das verängstigte Königreich musste bis dato eine Jungfrau opfern, aber dann kam Georg (katalanisch: Jordi) und erschlug den Drachen. Aus dem Drachenblut wuchs eine rote Rose, die der tapfere Ritter Georg der jungfräulichen Prinzessin überreichte.

Der 23. April ist der Todestag von Georg von Kapadozien und man gedenkt ihm in Katalonien mit einem speziellen Brauch, indem die Herren den Damen eine Rose und die Damen den Herren ein Buch schenken.

Die Idee mit dem Buch hatte der valenzianische Schriftsteller Vicente Clavel Andrés, der dies in den 1920er-Jahren der Barcelonaer Kammer für Bücher und Literatur vorschlug. Dieser Brauch wurde 1926 per Königlichem Dekret sogar gesetzlich geregelt und 1929 zur Weltausstellung Barcelonas vorgestellt. Der Erfolg des Bücherverkaus führte zur Einführung des Tages des Buches am 23. April in Katalonien.

Sant Jordis Namenstag und der Tag des Buches ist für viele Katalanen ein wichtiger Tag der Zelebrierung ihrer katalanischen Kultur und schon lange ein Meinungsbild der politischen Gesinnung vieler Katalanen.

So mischen sich bereits jetzt an den Ständen und in den Veröffentlichungen viele gelbe Rosen als Zeichen der Solidarität mit den immer noch inhaftierten bzw. mit europäischem und internationalem Haftbefehl verfolgten katalanischen Politiker und Anführer der Unabhängigkeitsbewegung. Ein friedlicher Protest.

Ein Komik macht dies besonders deutlich: Eine Prinzessin versucht mit einem Seitenschneider zwei Ritter aus einem Käfig zu befreien. Auf ihrem Kopf sitzt ein kleiner Drache mit einer roten Rose und darüber steht der Aufruf: „Mehr lesen und weniger einsperren!“ gefolgt von den Hashtags „#Freiheit Jordis“ „#Freiheit politische Gefangene“.

Die katalanische Gesellschaft wird auch an diesem speziellen Tag um eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation nicht herum kommen.