Sardanas – Die Katalanen tanzen es aus 

(Foto: Sardana Denkmal auf dem Montjuïc)
(trz) – Barcelona. Wer diesen katalanischen Volkstanz nicht kennt, ist schnell geneigt zu behaupten, die Sardanas sind wie die Katalanen. Ein geschlossener Kreis, zu dem man nicht dazu gehört. Traut man sich aber einmal und tanzt mit, wird man schnell eines Besseren belehrt. Die Definition der Sardana findet sich sogar in deutschen Lexika. Die Sardana ist ein katalanischer Reigentanz mit Vor- und Nachtanz und komplizierter Schrittfolge, der von einem Orchester, der Copla begleitet wird.
Aber so kompliziert ist er gar nicht. Die Tänzer finden sich zu einem Kreis zusammen, fassen sich an den Händen und bewegen sich im Kreis links und rechts herum. Die Grundschrittfolge ist eigentlich ganz einfach, wenn man Gewichtsverlagerung und einen seitlichen Überkreuzschritt beherrscht. Allerdings braucht man ein wenig Ausdauer: man hüpft erst leicht – und dann höher – zuerst auf dem linken Fuss auf und ab, dann auf dem rechten und setzt mit dem linken Fuß zum Überkreuzschritt nach links an, und dann so weiter in die entgegengesetzte Richtung und das minutenlang (einige Stücke dauern bis zu 10 Minuten).
(Foto: Wikimedia, Creative Commons License 2.0)
Es sieht also komplizierter aus, als es ist. Nicht ganz so einfach sind die Abfolgen der Tanzsätze. Es gibt kurze (tirada de curts) und lange (llargs). Aber auch hier braucht man einfach nur den Nachbarn an der rechten und linken Hand nachzuahmen. Bei den kurzen Tanzsätzen sind die Arme unten und bei den langen oben. Es gibt immer einen oder mehrere erfahrene Tänzer in der Gruppe, die den Takt vorgeben.
Viel schwieriger ist es, seine Emotionen im Zaum zu halten und sich auf die Schritte zu konzentrieren, wenn das beindruckende Orchester der Copla aufspielt. Das meist aus elf Musikern bestehende Orchester ist in der Standardbesetzung mit Einhandflöte (flabiol), Zylindertrommel (tabal), dem Holzblasinstrument tible und tenora, der Trompete (trompeta), Posaune (trombo) und dem Kontrabass (contrabaix) bestückt.
Die Sardana gehört zu den Nationalsymbolen der Katalanen und war unter Franco verboten. So verwundert es nicht, dass sich die Katalanen auch diese Tradition weiterhin bewahren und bestehende Konflikte einfach austanzen. Es gibt kein schöneres Beispiel für die Weltoffenheit der Katalanen wie die Sardana. Selbst wenn man die Schrittfolgen nicht mit Perfektion beherrscht, man kann jederzeit in den Kreis eintreten und mittanzen. Die Sardana wird in Barcelona normalerweise jeden Sonntag um 18:30 Uhr auf der Plaça de Sant Jaume und um ca. 12.00 Uhr auf dem Platz vor der Kathedrale La Seu getanzt. Die Zeiten können im Winter variieren und finden sich schnell auf den Webseiten der jeweiligen Gemeinde.
Die Katalanen verehren ihren Tanz. Das zeigt sich unter anderem auch darin, dass oftmals die Sardana mit einem kraftvollen Visca oder Visca Catalunya (Hoch lebe! oder Hoch lebe Katalonien!) abschließt und die Tanzenden dabei ihre gefassten Hände kraftvoll in die Mitte des Kreises oder nach unten führen.
Der katalanische Musiker Pau Casals fasste den Esprit der Sardana treffend zusammen:
„Die Sardana, die vom Empordà ausging und ganz Katalonien erobert hat, ist mehr als ein Element unserer Folklore. Sie wurde zu unserem Nationaltanz, zu einem wesentlichen Element im Leben unseres Volkes. Die Demokratie inspiriert ihre Regeln. Jeder ist willkommen, zu jedem Moment. Das Feingefühl gebietet es, in eine Sardana auf der linken Seite des Mannes neu einzutreten. So muss er nicht von seine Partnerin auf der rechten Seite getrennt werden. Das Symbol dieses Tanzes besteht darin, sich in vollkommener Harmonie und Gleichheit die Hände (in einem Kreis) zu reichen. Diese Normen verweisen auf die tiefsten Grundlagen unseres Charakters, denen wir immer treu bleiben sollten.”*
*Aus Wikipedia
Originaltext von Pau Casals in katalanischer Sprache aus Subirana Lluís: Ciutats pubilles de la sardana 1960–1995, Fotografies de Josep Llobet; Tarragona 1995 Seite 74
La sardana, passant de L’Empordà a tot Catalunya, ha deixat d’esser un element més del nostre folklore per a es devenir una dansa nacional, consubstancial ja amb la vida del nostre poble. La democràcia que inspira les seves regles tothom hi és admès, a qualsevol moment. La delicadesa que imposa la seva admissío a l’esquerra de l’home, per a no separar-lo de la parella que té a la mà dreta. El símbol de la seva execució, tothom donant-se le mans un pla d’harmonia i d’igualtat. Són normes que expressen els fonaments profund del nostre caràcter, al qual hauríem de mirar d’esser fidels.”
Veranstaltungskalender der Sardanas in Katalonien: